Die Seefliegertruppe


Entwicklung der Seefliegertruppe


Teil 2




Die Arado Ar 196 war der letzte Vertreter der berühmten deutschen Kampfdoppelsitzer Wasser.







IV. Entwicklung 1935-39



Mit Verfügung am 27. März 1935 befahl der R.d.L. Die Aufstellung von drei weiteren Seefliegerstaffeln ab 1. April d.J. Es wurden zwei Küstenaufklärungsstaffeln in List und Norderney, und eine Küstenjagdstaffel in Kiel-Holtenau aufgestellt.

Am 1. Oktober verfügten die Seeflieger über zwei „Geschwaderstäbe“, tatsächlich aber Gruppenstäbe mit Stab und drei Staffeln, insgesamt einer Jagdstaffel (See), einer Fernaufklärungsstaffel (See), zwei Aufklärungsstaffeln (See) und einer Mehrzweckestaffel (See).

Die Heinkel He 60 der Holtenauer Staffel im Fluge



Am 1. Oktober 1936 waren vorgesehen:


G 116 (Kiel-Holtenau)

mit 2 Aufklärungsstaffeln (See) in Holtenau und Stralsund,, 1 Jagdstaffel (See) und 1 Mehrzweckestaffel (See) in Kiel-Holtenau;

G 216 (Norderney)

mit 1 Fernaufklärungsstaffel (See) und 1 Aufklärungsstaffel (See) in Norderney, 1 Jagdstaffel (See) in Wilhelmshafen, 1 Mehrzweckestaffel (See) in List.


Von 1936-37 an wurden Küstenfliegergruppen gebildet. Die Seejagdgruppe mit drei He 51 W-Staffeln blieb unter dem altem Namen bestehen.


Kommandostruktur ab 1938:

Chef des Stabes.

Lehrstaffel See (Schleswig).

Führer der Seeluftstreitkräfte (F.d.L.), Kiel.

Küstenfliegergruppe 106 (Norderney).

1./K.Fl.Gr. 306 (Norderney).

Küstenfliegergruppe 406 (List/Sylt).

Küstenfliegergruppe 506 (West-Devenow/Wollin).

Küstenfliegergruppe 706 (Kamp/Pommern).

1./Bordfliegergruppe 196 (Wilhelmshafen).

5./Bordfliegergruppe 196 (Kiel-Holtenau).

Seejagdgruppe I:/136 (Jever/Oldenburg).

Fliegerwaffenschule (See) und Flieger-Ersatzabteilung 6 (Warnemünde).

Luftzeuggruppe 6 (Kiel).


Bis Ende Sepzember 1939, fast drei Wochen nach Kriegsausbruch (1. Sept. 1939) verfügten die Seeflieger über 139 Seeflugzeuge, davon 134 einsatzbereit. Man war nicht weiter als 1934. Denn veraltetes Fluggerät war inzwischen ausgemustert worden.


Für die geplanten Flugzeugträger A und B wurden ab Ende 1938 die ersten Trägerstaffeln gebildet. Es entstand in Kiel-Holtenau die Trägerjagdstaffel 6./186, ausgerüstet mit Bf 109 E(T), eine Trägerstaffel mit Ju 87 (Stuka), später noch eine zweite Trägerjagdstaffel (B 109 E(T)).


Dornier Do 26 Flugboot. In geringer Anzahl bei der Transozeanstaffel.




Blohm & Voss BV 222 „Viking“ (Großflugboot)



Die Deutsche Lufthansa hat in den 30er Jahren Anstrengungen unternommen, um mit den Dornier-Flugbooten auf den Transatlantikrouten nach Nord- und Südamerica Post- und Verkehrsflüge, sowie kleinere Eiltransporte, durchzuführen; im Südatlantic wurden Katapultschiffe stationiert, die sich auch bei den Seefliegern bewährten, um Seeflugzeuge mit maximaler Nutzlast oder Überlast zu starten und damit größtmöglichen Aktionsradius zu erzielen. Die großen Short-Flugboote der Briten und die Boeing-Flugboote („Clipper“) der Amerikaner veranlaßten die Lufthansa von der Industrie ein Großflugboot für den Transtatlantikdienst zu fordern. Aus der Forderung ging die Blohm & Voss BV 222 hervorg.


Flettner Hubschrauber „Kolibri“ als Versuchsbordfluggerät


Um den Seeflug mit Sportflugzeugen zu verbreiten, wurden in den 30er Jahren eine Reihe von Seeflugstationen an Yachthäfen angegliedert. Die Reichsluftfahrtindustrie bot ihre Leichtflugzeuge auch mit Doppelschwimmern an. Versuche, brauchbare Amphibien und kleine Flugboote zu entwickeln, waren erfolgreich, führten aber nicht zu einem

bedeutenden Markterfolg. An die großen Erfolge der Dornier-Flugboote „Wal“ und „Super-Wal“ konnte die Fa. Dornier mit der Do 18 nicht mehr anknüpfen.


Erst mit der Do 24 gelang wieder ein Erfolg. Die Niederländer, und Spanier, die die Do Wal als Militärflugboot einsetzten, entschieden sich für die Do 24 als Ablösemuster. Die Do 24 wurde in den Niederlanden unter Lizenz gebaut. Die Briten, Amerikaner und Japaner gingen schließlich ihre eigenen Wege, und entwickelten mit der Consolidate „Catalina“, Short „Sonderland“ und Kawanishi H8K „Emilie“ die drei besten Kriegsflugboote ihrer Klasse. Deutschland, das die Entwicklung der Seeflugzeugetchnologie in den 20er Jahren angeführt hatte, verlor in den 30er Jahren allmählich den Anschluß, vor allem bei der Entwicklung von Kampfflugbooten.

In der Kategorie der Hochleistungs-Schwimmerflugzeuge waren die großen Rennflugzeuge der Briten (Supermarine) und Italiener (Maachi) führend, diese Flugzeuge waren die schnellsten Flugzeuge ihre Zeit. Erst mit der Entwicklung der He 119 gelang Heinkel der Anschluß an diese Entwicklung. Die He 119 war als Doppelschwimmer-Seeflugzeug (Torpedobomber, Mehrzwecke-Flugzeug) die He 115 abzulösen.


Heinkel He 115. Mehrzwecke-Schwimmerflugzeug (Torpedobomber). Die He 115 stellte vor dem Kriege 8 Weltrekorde auf.


Der Aufbau der Reichsluftwaffe zwischen 1935-39 ist von Unruhe geprägt. Nach dem Prinzip der Zellteilung weden immer neue Verbände aufgestellt. Davon macht die Enrwicklung bei den Seefliegern keine Ausnahme. Die Seeflieger verlieren bis 1939 den Anschluß an die technologische Entwicklung, obwohl die Wasserflughersteller die Produktion von Seeflugzeugen als wichtig einschätzen. Die traditionellen Hersteller Dornier, Arado, Heinel, dann auch Blohm & Voss, Hamburger Flugzeugbau, unternahmen beachtliche Anstrengungen um mit der Entwicklung der Luftfahrt gerade auch bei Wasserflugzeugen mitzuhalten. Am Ende verlor Deutschland aber den Anschluß. Die begrenzten Produktionskapazitäten ließen Spezialflugzeuge nicht mehr zu.


Die neuesten Dornier-Entwicklungen Do 24 und Do 26, die Heinkel-Entwicklungen He 115, die Arado-Entwicklung Ar 196, die Blohm & Voss-Entwicklung BV 138, sind vielversprechend. Darüber hinaus werden auch Rad-Flugzeuge für den Trägereinsatz entwickelt, die aber technologisch bald obsolet sind und von der Entwicklungsliste gestrichen werden. Für den Trägereinsatz sollen Marineausführungen der Bf 109-Jäger und Ju 87-Stuka zum Einsatz kommen. 1935 werden für die Seefliegerausrüstung 25 Staffeln mit 300 Flugzeugen gefordret, im April 1936 fordert der Ob.d.M. eine End-Stärke von 64 Staffeln mit 800 Flugzeugen! Göring versprach die Beschaffungspläne bis 1. April 1942 zu verwirklichen. Bis 19. September 1938 waren die Kräfte der Seeflieger nicht wesentlich gewachsen. Insgesamt waren 139 Seeflugzeuge vorhanden, davon 134 einsatzbereit gemeldet.


Durch den Einsatz von Katapultschiffen konnte die Seefernaufklärungsflugboote BV 138 mit maximaler Zuladung starten. Dadurch wurde eine längere Flugdauer erreicht.



Schon Ende 1938 beschränkte ein

Aufbauprogramm des Generalstabes der Luftwaffe die Beschaffung der Marine auf 500 Flugzeuge, bestehend aus 9 Fernaufklärerstaffeln (Flugboote), 18 Mehrzweckestaffeln (He 115, später evtl. Me 210), 12 Trägerstaffeln (Jäger, Stuka), 2 Bordfliegerstaffeln (AR 196). Schon wenig später teilte der Generalstab der Luftwaffe mit, daß die Luftwaffe sich für alle Luftoperationen über See und Seekriegsführung aus der Luft voll verantwortlich fühle und die Forderungen der Marine im bisher erörterten Rahmen nicht mehr erfüllen können, die Luftwaffe sehe sich wegen der zusehens angespannten politischen Lage zur Realisierung einer größeren Flotte Ju 88 (Mehrzwecke-Flugzeug, Bomber-Stuka) und He 177 (strateg. Bomber, Seefernkampfflugzeug) gezwungen. Daher müße sich die Marine mit insgesamt 500 Flugzeugen zufrieden geben. Jeschonnek, der Generalstabschef der L., erklärte freimütig, er habe von seinem Chef, dem Ob.d.L., Herman Göring, die Weisung, die geplanten 13 „Piratengeschwader“ (Seekampfgeschwader, He 177) nicht der Marine taktisch zu unterstellen.


V. Entwicklung 1939-45


Blohm & Voss BV 138 C. Seefernaufklärungsflugboot.



Die Planung von 58 Kampfgeschwadern und 13 Seekampfgeschwadern wird die Luftwaffe nie erreichen, bei Kriegsbeginn existieren 13 Geschwader mit 30 Kampfgruppen. Entgegen der Behauptung, Göring hätte die Marine bei der Beschaffung böswillig vernachlässigt, hat Göring in einem Gespräch mit Raeder am 27. Januar 1939 die Aufgaben der Seeflieger erstmalig schriftlich bestimmt. Allerdings konnten Göring und Raeder ihre konträren Ansichten nicht in Einklang bringen.


Göring stand aber wegen der zuspitzenden politischen Lage und dem Zwang zur Konzentration in der Luftrüstung unter Druck. Sein alter Kriegskamerad aus dem Richthofen-Geschwader, Ernst Udet, der als Luftzeugmeister die Luftrüstung verantwortlich leitete, war seiner schwierigen Aufgabe zusehens nicht gewachsen und ließ die Zügel in seinem Ressor schleifen. Udet geriet auch mehr und mehr in persönliche Konflikte mit seinem Widersacher Milch. Im Jahre 1939 plätscherte die Flugzeugproduktion vor sich hin. Die Luftwaffe war schon nach dem Fliegertod ihres ersten Generalstabschef, Generalmayor Walter Wever, in eine Führungskrise geraten und begann zu treiben. Der von Wever als Nachfolger bestimmte Jeschonnek war nicht eben ein sehr kooperativer Zeitgenosse.


Focke Wulf fw 200 C „Condor“. Ab 1941 sehr erfolgreich in der Schiffsbekämpfung im Atlantik.



Obwohl bei den Einsatzverbänden sehr belieb, war Jeschonnek bei vielen älteren, erfahrenen Kommandeuren nicht sonderlich angesehen. Jeschonek war ein chronisch kontaktarmer Einzelgänger und für seine provozierende Art bekannt. Er war aber sehr fähig und ein fanatischer Hitleranhänger, ahtte die volle Unterstützung Görings und stand zur Zeit der großen Erfolge der Luftwaffe 1939-41 in hohem Ansehen. Göring selbst war zwar sehr intelligent und ein tatkräftiger Organisator, zusehens aber mit politischer Ämterhäufung überlastet und daher als Gesamtverantwortlicher der Luftfahrt überfordert. Göring verfügte aber über einen hervorragenden Beraterstab aus Spezialisten aller Fachressors, der ab Kriegsbeginn durch fähige junge Offiziere der Frontfliegertruppe laufend verstärkt wurde. Die Besprechung vom 27. Januar 1939 brachte die Änderung mit sich, daß Göring die Dienststelle eines „Generals der Luftwaffe beim Ob.d.M.“ einrichten ließ. Der bisherige Organismus der Seeluftstreitkräfte wurde allerdings aufgelöst, faktisch waren die Seeluftstreitkärfte aber seit 1938 aufgelöst.


Organ der Seeflieger



Zwischen Luftwaffe und Marine bestand schon längere Zeit Streit darüber, ob feindliche Schiffe durch Sturzbomberangriffe oder Lufttorpedoangriffe zu bekämpfen wären. Die Marine argumentierte natürlich für Torpedoangriffe gegen große Schiffe, verwies dabei auf die bekannte Vernichtungskraft des Torpedo durch Wasserverdämmung. Die Luftwaffe setzte aber auf Bombenangriffe und propagierte hiezu ihr neues Mehrzweckekampfflugzeug (Bomber-Stuka) Ju 88 als Wunderflugzeug gegen Schiffsziele. Nur hatte die Luftwaffe bei Kriegsausbruch keine Sprengbombe, die sich zur Bekämpfung größerer Kriegsschiffe ab schwerer Kreuzer aufwärts überhaupt geeignet hätte. Eine frontverwendungsfähigen Lufttorpedowaffe gab es auch nicht, obwohl die Reichsmarine schon ab 1922 die Entwicklung eines Lufttorpedo gefordert hatte. Als die Marine bis Mitte der 30er Jahre noch immer nicht weitergekommen war, entschloß man sich nun zum Ankauf des norw. Lufttorpedo, Hauart Horten. Mit Genehmigung der norwegischen Regierung führte ein Seefliegererprobungskommando mit der He 59 in Norwegen 1936 Torpedoversuche durch, die zufriedenstellend verliefen. Als die Seeluftstreitkräfte aber 1938 faktisch aufgelöst wurden, kam die Entwicklung des Lufttorpedo (LT) wieder zum erliegen. Die später wieder aufgenommenen Versuche mit der He 115 verliefen hingegen nicht erfolgreich, die meisten LT waren Grundläufer oder versagten anderweitig. Erst im 2. Weltkrieg nach den Erfolgen der Engländer in Tarent (1940) und der Japaner in Pearl Harbor (1941) wurde der LT wieder als wirkungsvolle Seeluftkriegswaffe erkannt.

Die Auffassungen bei den Seefliegern, etwa was die Verwendung von Radflugzeugen anbelangte, waren divergierend.


Junkers Ju 88. Der „Wunderbomber“. Die Ju 88 wurde als Stuka und Torpedobomber erfolgreich gegen Seeziele eingesetzt


Im Prinzip konnten Seeflugzeuge mit höherer

Geschwindigkeit, stärkerer Abwehrbewaffnung und größerer Bombenzuladung entwickelt werden. Die He 115 entstand 1937 und stellten gleich acht Rekorde auf. Die He 115 war ein bemerkenswert fortschrittliches Flugzeug. Die He 115 sollte die He 59 als Torpedoträger und Mehrzwecke-Flugzeug ersetzen. Die He 115 wurde aber erst 1939 eingeführt und galt schon 1942 als veraltet. Im Seeluftkrieg gegen England ab 1939 erzielten die He 115 einige bemerkenswerte Erfolge. Die typische Schiffsangriffsbewaffnung bestand aus einem LT oder zwei 250 kg Sprengbomben. Die Angriffs- und Abwehrbewaffnung an Schußwaffen war zu schwach: 2 starre MG17, zwei bewegliche MG15, alles 7,92 mm MG. Später wurde eine 2 cm MK zur Schiffsbekämpfung nachgerüstet. Dennoch wurde 1944 eine kleine verbesserte Serie der He 115 nachgefertigt.


Die von Heinkel als Schnellbomber und Seekampfflugzeug entwickelte He 119 war eine revolutionäre Konstruktion und zweifellos durch die Wasser-Rebnnflugzeuge der Engländer (Supermarine) und Italiener (Maachi 72) beeinflußt. Wie bei den populären Rekordflugzeugen der beiden großen Konkurrenten wurden in der He 119 zwei hintereinandergebaute (sogen. Tandemmotore) eingebaut. Die im Rumpf eingebauten Motore arbeiteten mit Kopfgetriebe auf eine Motorwelle. Die Motorwelle führte direkt durch die vollverglaste Kabine im Bug des Flugzeuges. Im Gegensatz zu den Doppelmotoren der He 177 arbeiteten die Motore zufriedenstellend. Durch den Motoreinbau im Rumpf war die Tragflächenbelastung gering. Die He 119 erreichte als Landflugzeug 500 km/h und hätte als Mehrzwecke-Schwimmerflugzeug mit stärkeren Motoren später bis 550 km/h erreichen können. Die He 119 war als Seekampfflugzeuge und speziell als LT-Träger sehr interessant. War die He 119 doch ein sehr fortschrittlicher Flugzeugtyp mit großer Reichweite und hoher Nutzlastkapazität. Ferngesteuerte Abwehrwaffenstände mit 13 mm MG konnten eingebaut werden.


Erbeutung des durch eine Mine beschädigten brit. Minen-U-Bootes „Seal“ durch die Besatzung einer Arado Ar 196



Die Fa. Dornier, die ab Mitte der zweiten Hälfte der 30er Jahre den Bau von Flugbooten einschränken und vornehmlich den Bomber Do 17 und die aus der Do 17Z abgeleitete Exportversion des Schnellbombers Do 215 (Jugoslawien, Schweden) bauen mußte, propagierte nach wie vor aus Überzeugung den Bau von Flugbooten und Schwimmerflugzeugen. Da Dornier Ende der 30er Jahre keine Kapazitäten für den Flugbootbau zusätzlich aufbauen konnte, wurde der Luftwaffe vorgeschlagen die Do 215 als Mehrzwecke-Seeflugzeug mit Doppelschwimmer einzuführen.

Die Do 215 erreichte als Radflugzeug 500 km/h und als Doppelschwimmer-Flugzeug um 400 km/h. Dies war die Höchstgeschwindigkeit eines mittleren Standardbombers des Jahres 1939-40.




Bordflugzeug Arado Ar 196. Die Ar 196 ersetzte die He 60.


Die Befürworter des Wasserflugzeuges unter den Seefliegern erkannten, daß die Geschwindigkeit durch Einbau stärkerer Motore erhöht und gleichzeitig die Abwehrbewaffnung und Kampfmittel-zuladung bei Reichweiten-überlegenheit gegenüber dem Radflugzeug gesteigert werden konnte. Auch konnten die von Kritikern des Wasserflugzeuges angeführten witterungsmäßigen Beschränkungen des Einsatzes durch winterliche Vereisung der Wasserrollflächen durch Einsatz von Eiskufen gelöst werden.


Dennoch verlangte die Marine ab 1940 die Zuführung von Ju 88 Mehrzweckeflugzeugen und Do 217 Seekampfflugzeugen. Bf 109 (Jäger) und Ju 87 (Stuka) waren schon als Trägerflugzeuge in geringerer Anzahl eingeführt. Dabei mußte der Marine klar sein, daß die Ju 88 und Do 217 nur einen begrenzten Aktionsradius hatten, kaum mehr als 900 km. Beide Flugzeuge waren in der Handhabung bei Start- und

Landung nicht unproblematisch, die Ju 88 unterschnitt bei Notwasserungen, die schwere Do 217 sank als Schulterdecker sofort. Der Einsatz der Ju 88 und Do 217 über See führten zu hohen Personalverlusten, rettungsversuche durch Seenotflugzeuge kamen meist zu spät, bei Einsatz weit ab von der Küste war die Seerettung ausgeschlossen.


Sowjetisches Flugboot Berijew.



Wenn die Ju 88 als Torpedobomber und Stuka gegen Seeziele auch große Erfolge erzielte, die Do 217 als FK-Träger die Lenkbombe FX1400 und die mit Raketenmotor angetriebene Gleitbombe

Hs 293 ab 1943 erfolgreich zum Einsatz brachte, waren beide Flugzeuge als Seekampfflugzeuge nur bedingt geeignet.



Die neuen Waffen: Gelenkte Körper.


Der größte Erfolg der Flugkörper-Seeflugwaffe war die Versenkung des italienischen Flottenflaggschiffes „Roma“ (1943). Von fünf deutschen Seenotflugzeugen, die die italienischen Seeleute retten wollten, wurden vier durch alliierte Jäger abgeschossen! Auch die He 177 bewährte sich in der Rolle des Fernkampfflugzeuges (See) nur bedingt, vor allem wegen der Motorprobleme (Brandgefahr) war die He 177 bis Sommer 1944 (Zeitpunkt des Zusammenbruchs der deutschen schweren Bomberstreitkräfte) nur bedingt frontverwendungsfähig, viele He 177 gingen über See durch die Abwehr oder durch Havarien verloren.

Funkgelenkte Bombe FX 1400


Ab 1941 übernahmen die Japaner die technologische Führerschaft bei Schwimmerflugzeugen und hielten diese bis Kriegsende. In Japan wurde eine Modifikation des Bordjägers Mitsubishi A6M (Marinetyp, 0-Jäger) mit Monoschwimmer als Seejäger gebaut, später moderne Seejagdflugzeuge aus neuesten Radflugzeugen abgeleitet und noch gegen Kriegsende Spezialflugzeuge (z.B. U-Boot-Bordflugzeuge) gebaut. Die Japaner bauten auch die schnellsten bordgestützten Marinesturzkampfbomber (550 km/h). Die Briten erprobten die Supermarine Spitfire als Doppelschwimmer-Seejäger, sahen aber von der Beschaffung ab.


Ähnlich wie in Deutschland der Konflikt zwischen Marine und Reichsluftwaffe, bestand in Grossbritannien ein langer Konflikt zwischen Royal Airforce (RAF) und Royal Navy. Die Short „Sunderland“ Flugboote, die die RAF im 2. Weltkrieg als Kampfflugboote zur U-Bootbekämpfung einsetzte, unterstanden dem RAF Küstenkommando. Die Bordflieger der RN gehörten hingegen zur Fleet Air Arm und mußten sich zumeist mit veralteten Radflugzeugen begnügen. Die Marine forderte ab 1936-37 die Bildung von Rad-Flugzeugstaffeln als „besonders dringlich“. Es wurde dazu angeführt, daß die Seeflugzeuge eine zu geringe Reichweite hätten, zu langsam und zu schwach bewaffnet wären.


Brit. Flugboot Short „Sunderland“ waren erfolgreich in der U-Bootbekämpfung.



Tatsächlich waren die Seeflugzeuge den eingeführten Landflugzeugen im Hinblick auf Aktionsradius weit überlegen, die Landbomber Do 17 und He 111 erreichten kaum mehr als 900 km Aktionsradius. Damit lagen die Landflugzeuge weit unter den großen Seeflugzeugen, vor allem den Flugbooten. Die Bewaffnung der Landbomber Do 17 und He 111 beschränkte sich auf einige wenige MG 15 (7,92 mm MG, 1000 S/min. theoret. Feuerkadenz). Die späteren Einsatzmuster der Seeflugzeuge (Do 18, Do 24, BV 138) verfügten aber über 2 cm MK , 13 mm MG (131) und MG 15. Hingegen konnten große ozeanische Flugboote und Flugschiffe noch stärker bewaffnet werden. Die großen Me 324 Transporter „Gigant“ erhielten in der Begleitversion (Flak-Kreuzer, Gun Ship) 12 2 cm MK und 6 MG 131. Bei großen Flugbooten konnte eine noch stärkere Bewaffnung vorgesehen werden. In jedem Falle konnten große Flugboote stärker bewaffnet werden als große Radflugzeuge (Ju 290, He 177, Me 264 „America-Bomber“).


Die Supermarine Walrus flog als Bordflugzeug der RN


Im Hinblick auf eine stärkere Bewaffnung der Seeflugzeuge gegen U-Boote und Überwasserschiffe hätte die Marine reaktive Abstandswaffen wie WG 21 einsetzen können, diese Waffe erreichte eine hinreichend treffsichere Reichweite von 2 200 m und war sicher als UAW geeignet. In jedem Falle waren die WG als reaktive Waffe für Flugboote (BV 138) besser geeignet wie freifallende Bomben, weil das Ziel nicht überflogen werden brauchte, der Angriff konnte außerhalb des Wirkungsbereichs der leichten Schiffsflak (1 000 bis 1 500 m) erfolgen. Die Entwicklung von RS-Bomben (Raketen-Sprengbomben) gegen große Schiffsziele ab Kreuzer wurde aber vernachläßigt.


US-Flugboot Consolidated „Catalina“. Ein weiterer erfolgreicher Flugboottyp der Alliierten. Sunderland- und Catalina-Flugboote hatten maßgeblich Anteil am Scheitern der deutschen U-Boot-Offensive im Atlantik. Noch heute fliegende eine ganze Reihe Catalina-Flugboote.




Erst mit der RS 500 entstand eine geeignete Waffe, die aber gegen Kriegsende noch nicht frontverwendungsfähig war. Die Marine hätte ab 1941 auch erbeute sowj. RS einsetzen können. Die durchschnittliche Marschgeschwindigkeit des über See eingesetzten Bombers He 111 (ab 1939) lag im Sparflug bei 260 bis 270 km/h. Selbst die später im operativen Luftkrieg eingesetzten US-Bomber B24 und B17 flogen in Kampfformation 1943-45 nicht schneller. Als versucht wurde, die bewährte Ju 87 als LT-Träger und später die FW190 als Seekampfflugzeug (z.B. LT-Träger, Träger für Bombentorpedo) zum Einsatz zu bringen, stellte sich heraus, daß die Reichweite der Musters zu gering war. Während der Invasion am 6. Juni 1944 wurden kein Marinejabo eingesetzt. Der Luftwaffe fehlte ein leistungsfähiges Seekampfflugzeug in Zerstörerbauart wie die erfolgreiche Bristol „Beaufighter“ des RAF Coast Comand. Die Me 410 hätte sich geeignet.


Funkgelengte Flügelrakete Henschel Hs 293.


Im Grundsatz war klar, daß die Entwicklung der Luftwaffe zur operativen Waffe, wie sie vom ersten Generalstabschef Wever propagiert wurde, die Möglichkeiten der Marine beim Einsatz eigener zumindest ihr unterstellter Fliegerkräfte stark einengte. Auch nach dem Fliegertod Wevers hielt die Luftwaffe an der operativen Luftkriegsführung fest. Erst unter dem situationsbedingten Zwang, die schwer ringende Ostfront durch den Einsatz sogen. Nahkampffliegerverbände ab 1942 verstärkt zu unterstützen, sah sich die Luftwaffe in der Unterstützungsrolle. Durch die laufende Beanspruchung im Unterstützungseinsatz für das Heer, konnte die Luftwaffe ihre operativen Kräfte nicht für kriegsentscheidende strategische Einsätze gegen die sowj. Schlüsselindustrien (Bunaprodukte, Wälzlager, Energiezentren, Eisenbahnknotenpunkte etc.) bündeln. Die operative Luftwaffe hätte zwei Fernkampfkorps mit je 4 bis 5 Geschwadern und ein Fernkampfkorps (See) aufbieten müssen, um die wichtigsten Einsatzaufgaben im strategischen Luftkrieg gegen England, die UdSSR und die Atlantik-Seefront erfüllen zu können.


Italienisches Flugboot Cant Z501.


Dabei waren große Flugboote oder Flug-schiffe als Fernst-erkunder, Waffenträger (FK, LT), U-Boot-Führungs-flugzeuge, evtl. Luftanker und Lufttransporter, erforderlich. Auf dem

Höhepunkt des U-Bootkrieges propagierte die Industrie den Bau großer Seeflugzeuge. Als die Atlantikschlacht scheiterte war die Luftwaffe genötigt in größerer Anzahl schwere Bomber im Seeluftkrieg einzusetzen, um wenigstens in der Biskaja, dem Durchmarschgebiete der Fern-U-Boote, die alliierte Abwehr niederzuhalten.


Italienisches Mehrzwecke-Schwimmerflugzeug und Torpedobomber Cant Z506 B. Vor dem Kriege als komerzielles Frachtflugzeug entwickelt.



Durch den Einsatz der revolutionierenden FK ist dies zeitweilig auch gelungen. Letztlich war die Luftwaffe 1943-44 in der Rolle der Seeluftwaffe überfordert, der Zusammenbruch der schweren Bomberverbände in 1944 trat zu dem Zeitpunkt ein, als die Bomber zur

Abwehr der Invasion dringend gebraucht wurden. Insgesamt standen am 6. Juni 1944 hunderte He 177und andere schwere Bomber nutzlos herum, lagerten große Mengen von FK Hs 293 in den Depots der FK-Staffeln. Die Marine, die die Verteidigung der europäischen Küsten seit 1943 hätte planen, organisieren und koordinieren müssen, weil es eben ihre spezifische Aufgabe war, wurde mit dieser Aufgabe aber nicht betraut. Im Prinzip hätte ein tatkräftiger Ob.d.M. alle zur Abwehr bestimmte Kräfte der Wehrmacht führen müssen.


Die militärpolitisch unzuverlässige Führung des Westheeres war der Aufgabe offensichtlich nicht gewachsen, die von der Abwehr ergriffenen Maßnahmen der Küstenverteidigung waren einfallslos, die am 6. Juni 1944 in See gehenden Kräfte der Marine waren in jeder Hinsicht unzureichend. Tatsächlich entschied die Atlantikschlacht den Krieg. Solange die Seefront im Atlantik stand, waren die alliierten Kräfte dort stark gebunden. Der Ob. hatte ganz richtig erkannt, daß der Kampf um Europa an der Seefront geführt werden muß. Solange die Alliierten mit den US-Booten beschäftigt waren, konnte sie ihre Kräfte gegen die Kontinent nicht voll entfalten. Erst nach dem Ende der Schlacht konnten die Alliierten alle Kräfte mobilisieren. Die Bomberoffensive gegen den Kontinent wurde erst jetzt in dem Maße intensiviert, die schließlich zu den bekannten Angriffen gegen die Werftindustrie (E-Boote) und die Hydrierwerke führten. Zugleich begann die letzte Phase in der Bereitstellung der Masse der Landungstruppen und der Logistik.


Fiat RS 14. Mehrzweckeschwimmerflugzeug. .


Die Luftwaffe hat weder die RAF-Bomberbasen noch die alliierten Materialdepots und Truppenlager angegriffen. Stattdessen warf die Luftwaffe ein paar Bomben auf britische Städte. Dabei hatte die Luftwaffe mit der SD10 und Vorgängern (SD 2) eine Flächenwaffe mit vernichtender Wirkung. Die gesamte Nachtjagdwaffe hätte im Nachtschlachteinsatz die Allierten angreifen müßen. Die Nachtjabos brauchten den brit. alliierten Nachtbombern nur im zurückfließenden Bomberstrom zu folgen. Die Erfolge der Fernnachtjäger im Englandeinsatz zeigten, daß die brit. Abwehr ohnmächtig war. Die Marine hat ab dem Zeitpunkt als die Atlantikschlacht vom Ob. wegen untragbar hoher Verluste abgebrochen wurde, nicht viel unternommen, um eine breite Palette neuer Waffen für die Überwassereinheiten einzuführen. Die durch die HVA Peenemünde und Walter-Werke Kiel durchgeführten Entwicklungen von Raketenmotoren und Raketen hätten im 2. Weltkrieg zu brauchbaren FK-Fernwaffen der Marine führen müssen. Die FK Hs 293 hätte sich als katapultfähige Schiffs- und als Küstenverteidigungswaffe sehr geeignet, ebenso waren die Werfergeschosse („Nebelwerfer“) als Schiffsbewaffnung brauchbar.


Aichi 13 A. Bordflugzeug der kaiserlich japanischen Marine.



Es ist eine besondere Tragik der letztlich verfehlten Entwicklung des Seeflugzeuges in seinem Ursprungsland in den 30er Jahren, daß in der kriegs-entscheidenden Auseinandersetzung der Atlantik-Schlacht die

alliierten Kriegsflug-boote Consolidated „Catalina“ und Short „Sunderland“ maßgeblichen Anteil an der Vernichtung der meisten U-Boote aus der Luft haben. Die alliierten Kriegsflugboote sind „echte“ Kampfflugboote, die 900 bis 1.800 kg Kampfmittel (Bomben, Torpedos, Seeminen) zum Einsatz bringen. Als die USA den strategischen Luftkrieg gegen Japan planen, stehen sie vor dem Problem, daß die Landflugzeuge, selbst der als Seekampfflugzeug (U-Boot-Jäger) geeignete Bomber B24, die Wegstrecke von der Grenze der riesigen japan. Sicherheitszone bis zum japan. Mutterland von Landstützpunkten aus bewältigen konnte.


Japapanische Marinebomber Mitsubishi G3M. Großer Aktionsradius. Aber sehr beschußempfindlich. Flugzeuge dieses Typs versenkten am 10. Dezember 1941 die beiden brit. Schlachtkreuzer „Prince of Wales“ und „Repulse“


Daher entwickeln die USA das Großflugboot Martin „Mars“ als strategischen Marineflugbootbomber. Die Entwicklung des sogen. Hemisphärenbombers Boeing B 29, der die Entwicklung des strategischen Bombers revolutioniert, löst einen erbitterten Streit zwischen der US Army Air Force (USAAF) und der US Navy aus. Die US Navy, die sich traditionell zur Verteidigung der Küsten und des maritimen Vorfeldes der USA bestimmt sieht, fühlt sich durch die interkontinentalen Luftkriegsambitionen der USAAF geradezu existentiell bedroht. Die US Navy besteht darauf, den See-Luftkrieg gegen Japan mit einer marineeigenen strategischen Seeluftwaffe zu führen. Schließlich fällt die Entscheidung aber für die B29 als Träger der Fernluftoffensive gegen Japan. Diese Entscheidung wird nach 1945 Folgen haben. Die von der US Navy propagierte Entwicklung großer Marineflugboote wird schließlich abgebrochen, obwohl der PTL-Antrieb erst die antriebstechnische Voraussetzung für die Leistungsmaximierung der Marineflugboote schafft.


Großes Flugboot Kawanishi H6K der kaiserlich japanischen Marine versucht über See im Tiefflug US-Jägern zu entkommen.


Die Anstrengungen der

US-Luftrüstung

konzentrieren sich

schließlich auf die strategische Bomberwaffe (US Strategic Air Comand) der US Air Force (USAF), die US Navy muß sich mit kleineren mehrmotorigen Radflugzeugen (Lockheed „Orion“) begnügen. Im Hinblick auf die maritimen Gegebenheiten des pazifischen und atlantischen Operations-raumes der US Navy und im Hinblick auf die gesteigerte Mobilität amph. Streitkräfte (US Marine Corps) hätte sich die Einführung großer Flugboote und Flugschiffe als maritime Aufklärungs-, Kampf-, Transport- und Führungsmittel angeboten.


Flugboot Kawanishi H8K. Schnell und stark bewaffnet. Nachfolger der H6K.




Der Verzicht der Marine, leistungsfähige Kampfflugboote mit höherer Geschwindigkeit, starker Abwehrbewaffnung (Bordkanonen), modernen Abstandswaffen (RS-Bomben, FK, LT) zu entwickeln, war zweifellos ein scherwiegender und schließlich kriegsentscheidender Fehler. Ein Zusammenwirken von U-Boot und Seeflugzeug als sich ergänzende See- und Seeluftkriegsmittel war mit den kleineren Radflugzeugen der Luftwaffe nicht oder nur bedingt möglich.



Seejagd- und Aufklärungsflugzeug Mitsubishi A6M2-N der kaiserlich japanischen Marine. Die Schwimmerversion des berühmten Marinejäger A6M.


Für weiträumige interative Luftkriegsoperationen im Atlantik und Fernen Seeräumen an der Peripherie der japan. Sicherheitszone, wurden ab 1942 ozeanische Seefernkampfflugzeuge benötigt. Damit hätte die Entwicklung an die Do X und die BV 222 anschließen müssen. Selbst große Radflugzeuge (Me 264, sogen. America- oder New York Bomber) waren als ozeanische Kampfmittel nur bedingt geeignet. Für ozeanische Fernsteinsätze wurden große Flugboote benötigt, die entweder im Direktflug ferne Stationen im Machtbereich des japan. Verbündeten erreichen konnten, oder durch Luft- oder U-Tanker beölt und durch U-Versorger (Aufladen, Besatzunsgwechsel) unterstützt werden konnte. Vor allem aber war ein Wachdienst bei Fernstoperationen über See möglich.



Kawanishi N1K1. Hochleistungs-Seejagdflugzeug. Bei der Verteidigung Japans 1944-45 noch in größerer Zahl eingesetzt.




Die später entwickelte BV-Technologie des Einsatzes von Eisen für bis zu 60 % aller Bauteile eines Großflugzeuges und die mögliche Verwendung von Dieselflugmotoren bis 2 500 WPS ermöglichte die Entwicklung einer neuen Generation von Kriegsflugbooten für ferne Seeräume. Auf dem Höhepunkt des U-Boot-Krieges wurde erkannt, daß die Großflugboote sich als Aufklärungs-und Führungsmittel bei ozeanischen Operationen sehr eigneten. Die Entwicklung der Seeluftwaffe hätte parallel mit dem der U-Boot-Waffe erfolgen müssen, wobei schon Überlegungen über mögliche unterstützende Infrastrukturen (Stationsnetz in Asien, Unterstützung durch Hilfsschiffe, Flugboot-Tanker und -. versorger etc.) hätten angestellt werden müssen. Dabei war eine Zusammenarbeit zwischen der Allgemeine Luftfahrt (Lufthansa) und Militärluftfahrt (RLW, Seeflugwaffe) zwingend erforderlich. Tatsache ist, daß die Idee des ozeanischen „Luftkreuzers“ (Fernstaufklärer, T-Träger) mit der Do X verstarb und erst wieder zivile transatlantische Großflugbootprojekte der Enddreißigerjahre daran anschlossen. Die im traditionellen Großschiffdenken („Prestigeflotte“) gefangene und von Hitler darin noch bestärkte Skl erkannte wohl die Bedeutung der See-Luftkriegsmittel, wohl aber nicht deren revolutionäre Wirkung in einem weltumspannden ozeanischen Zufuhrkrieg. In letzter Konsequenz konnte nur das Marineflugschiff und das Marineflugboot den Rüstungsvorsprung zur See kompensieren.


Es wäre zu überlegen, ob nicht eine neue See-Luftmacht aus kleineren Trägern (Jagdträgern, Begleitträgern, Mehrzwecketrägern, Landungsträgern), Panzerfregatten und Panzerschiffen, großen U-Booten, Marineflugbooten und Marineflugschiffen, erwogen werden könnte. Wollte man heute eine Seekriegswaffe schaffen, die an die Erfolge der deutschen U-Boote (Dönitz) anschließt, müßte man eine Flugbootwaffe schaffen.

Bei den klassischen Seekriegsmitteln muß die Entwicklung solcher befördert weder, die verbesserte See-Luftkriegsmittel und See-FK zum Einsatz bringen, wobei zivile Schiffstechnologien verwendet wedren. Die Träger sollen V/STOL-Marinekampfflugzeugen (Sea Harrier) und Marinehubschraubern zum Einsatz bringen, und deren Einsatz unterstützen. Klassische Marineschiffe können gegen Luftangreifer nur bestehen, wenn der Schutz durch passive und re-aktive Armierung (z.B. „Minenschutzkleid“) verbessert wird.


VI. Perspektiven


Der klassische Seeflug in der Allgemeinen Luftfahrt hat sich von dem 1939 eingetretenen Einbruch nicht mehr erholt. Marineflugboote wurden nach 1945 nur noch eingeschränkt verwendet, klassische Flugboote und Schwimmerflugzeuge wurden überwiegend nur noch von der Allgemeinen Luftfahrt eingesetzt.

BERIEV A-40


Die UdSSR haben die Flugbootentwicklung nach 1945 mit TL- und PTL-Flugbooten zumindest technologisch fortgeführt. Hingegen haben die USA die Entwicklung abgebrochen, obwohl gerade die USA große Flugboote vielseitig eisnetzen könnten. Die regelmäßig überlastete Infrastruktur der großen Landflughäfen könnte entlastet werden, die globale Entwicklung durch Besiedlung der Küstenrandzonen und die mögliche Entwicklung von Ozeanstädten (Japan) wäre der Wiederverbreitung des Seefluges nützlich. Die Bestrebungen der Fa. Dornier, an die klassische Flugboottechnologie anzuschließen, haben bisher zu keinem entscheidendem Durchbruch geführt. Europa, mit seinen langen, stark zergliederten Küsten, und einer Vielzahl geschützter Seeflugreviere, bietet insgesamt günstige Voraussetzungen für die Wiederbelebung des klassischen Seefluges, in der Ostsee, die ein ideales Seeflugrevier ist, können Streckennetze nach dem Baltikum, Britannien und den Skandinavischen Ländern entstehen, ebenso können die traditionellen Transatlantikrouten wieder beflogen werden.


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